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Unicode – korrekte Typographie für Interneseiten
Aktualisiert: 20.10.2010
Der tägliche typographische Horror
Auf den ersten Blick fällt es meist gar nicht auf. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man nicht nur auf Internetseiten, sondern auch im Fernsehen oder in Zeitungen (ganz zu schweigen von den vielen selbstgebastelten Flyern) fest, dass den Menschen das Gefühl für korrekte Typograpie verloren gegangen ist. Dabei beruht diese auf Jahrhunderte alten Erfahrungswerten, welche dem Auge des Lesers visuelle Merkmale und Leitlinien zur Verfügung stellen und ihm dadurch zu einem angenehm entspannenden Lesegenuss verhelfen sollen.
In Zeiten des Computers und Internets scheint dieses Feingefühl langsam aber sicher verloren zu gehen. Dies verwundert aber nicht, wenn man bedenkt, dass die wenigen, auf heutigen Tastaturen vorhandenen Sonderzeichen noch immer dem amerikanischen ASCII-Zeichensatz entstammen, mit welchem damals wie heute Programme geschrieben werden. Und da der Mensch grundsätzlich ein faules Tier ist, benutzt er eben die vorhandenen (typographisch falschen) Zeichen für seinen Text, obwohl dieser kein Code sondern ein sowohl inhaltlich wie auch typographisch korrekt verfasstes Werk sein sollte.
Beachten Sie nur ein paar kleine Grundregeln, dann sind auch Sie in der Lage, typographisch korrekte Texte für Internetseiten zu verfassen, und erweisen sich würdig, die Auszeichnung «Webdesigner» zu tragen.
Die doppelten Anführungszeichen
In der deutschen Typographie gibt es zwei Varianten doppelter Anführungszeichen: normale («...»), welche auch Gänsefüsschen, Gänseäuglein oder Hasenöhrchen genannt werden, und spitze (»...«), welche Guillemets oder französische Anführungszeichen heissen. Beide existieren auch in einer kürzeren Version, den halben Anführungszeichen ‹...› und ›...‹. Diese einfachen Anführungszeichen werden bei Eigennamen, Begriffsdefinitionen und in verschachtelten Zitaten eingesetzt, d. h. wenn bereits ein doppeltes Zeichen vorausging («...: ‹...›» oder »...: ›...‹«). Die normalen Anführungszeichen müssen gemäss der einfachen Eselsbrücke 99–66 bzw. 9–6 angeordnet werden, wobei dies im angelsächsischen Raum allerdings genau umgekehrt gehandhabt wird (66–99 bzw. 6–9 (»...: ›...’”) und das einleitende Zeichen zudem nicht unten, sondern oben angebracht ist. Andere Länder bzw. Sprachen mit römischem oder kyrillischem Basisalphabet haben andere Konventionen für die Guillemets.
Gelegentlich kommt die Frage auf, in welcher Reihenfolge die Guillemets zu verwenden sind, logisch sei ja die umgekehrte Reihenfolge als die hier bisher gezeigte, zumindest, wenn man die Zeichen mit Klammern vergleicht. Franzosen, Schweizer u. a. sehen das genau so und schreiben daher «...: ‹...›». Deutsche und Österreicher haben sich aber für die entgegengesetzte Variante entschieden.
Im deutschen Sprachraum sind sowohl spitze als auch normale Anführungszeichen verbreitet, wobei Klammern in der handgeschriebenen Schrift so gut wie nie, in der gedruckten aber umso öfters vorkommen. Es scheint auch, dass im Zeitungswesen Gänsefüsschen verbreitet sind und der Buchdruck sich eher der Klammern bedient.
Die spitzen Klammern haben den Vorteil, dass sie zwar nicht im ASCII-Zeichensatz wohl aber in einigen seiner auf 8 Bit und damit 256 Zeichen vergrösserten Nachfahren, etwa ISO-8859-X, Windows-125X und Mac-Latin, vorkommen. Einer Verwendung z. B. im Usenet und in E-Mails steht somit auch wenig entgegen, die richtige Codierung des Body vorausgesetzt.
Das typographische Apostroph
Das Zeichen ' heisst zwar «apostrophe» bzw. Apostroph, typographisch gesehen ist er das aber eigentlich nicht, denn das Apostroph (auch Hochkomma genannt) sollte gebogen sein: ’. Leider hat der Einsatz des erstgenannten, falschen Apostrophs inflationäre Ausmasse angenommen und man sollte im Sinne einer guten Typographie unbedingt das zweite, korrekte Zeichen verwenden.
Vor dem Genitiv-S steht im Deutschen übrigens traditionell kein Apostroph und nach Genitiven von auf einen S-Laut endenden Wörtern (-s, -ß, -x, -z, -ce, egal ob im Nominativ auch als «s» ausgesprochen) steht ein Apostroph statt eines s. Das Plural-S hingegen wird nie mit einem Hochkomma abgetrennt, auch nicht bei Akronymen wie CDs oder DVDs.
Werden einzelne Buchstaben ausgelassen oder Wörter zusammengezogen, kann ein Apostroph diese ersetzen, vor allem um die Lesbarkeit und Verständlichkeit zu verbessern: Ich find’s aber nich’ gut. So ists doch auch lesbar. In der Lyrik entfällt manchmal das Präterium-E, wodurch es zu zum Präsens identischen Verbformen kommen kann, dann ist eine entsprechende Kennzeichnung unerlässlich: Er sucht’ und fand. Beim Auslassen ganzer Wortbestandteile hingegen muss es dabei sein: K’lautern. Das »Adjektivierungssuffix« sche bzw. scher darf ebenfalls solcherart abgetrennt werden: Euler’sche Zahl ℇ. In der Schweiz ist das Apostroph das übliche Tausendertrennzeichen bei Zahlen: 400’000.00 CHF. Das Dezimaltrennzeichen ist in Deutschland übrigens das Komma und zum Gruppieren wird vor allem im Finanzwesen der Punkt verwendet: 123.456,78 €.
Verherend kann das Verwenden des falschen Apostrophs dort sein, wo Text mit Hilfe von Computersprachen (z. B. PHP oder JavaScript) weiterverarbeitet werden soll. Da in beinahe allen Programmiersprachen sowohl das Zollzeichen (") als auch das falsche Apostroph (') essentiell wichtige Zeichen sind, kann ihr zusätzliches Vorkommen im Text zu falschem Einlesen und fehlerhafter Verabreitung führen. Sollten Sie eine Online-Datenbank planen, dann vermeiden Sie unter allen Umständen die Verwendung dieser Zeichen und programmieren Sie Ihren Code so, dass zu verarbeitender Text vorher von falschen Zeichen gesäubert wird!
Bindestrich, N- und M-breiter Gedankenstrich
Der Bindestrich (-) hat die Länge eines Viertel-Gevierts. Der Begriff «Geviert» stammt aus dem Buchdruck und ist ein gedachtes Quadrat, das so breit ist wie zwei Nullen nebeneinander. Der Bindestrich (auch Bindestrich-Minus genannt) verbindet Wörter und andere Zeichen zu Komposita (z. B. 2-achsiger Wagen, 486er-Prozessor, €-Symbol, Frau Däubler-Gmelin), kürzt gleichlautendende Wortteile ab (z. B. Web-Designer und -Autor, Gross- / Kleinschreibung) oder erscheint als bei der Silbentrennung am Zeilenende.
Der N-breite Gedankenstrich (–) ist doppelt so breit wie der Bindestrich und hat die Länge eines Halb-Geviert ein. Anders als im Englischen, wo neben dem N-breiten Gedankenstrichs (daher «ndash») auch noch ein M-breiter Gedankenstrich (daher «mdash») existiert, gibt es im Deutschen nur den N-breiten Gedankenstrich. Links und rechts von ihm muss jeweils ein Leerzeichen vorhanden sein – ausser bei der Verwendung als «bis»- oder «gegen»-Zeichen, wo keine Leerzeichen gesetzt werden dürfen (1–17, A–Z, Deutschland–Ungarn 3:2). Bei Entfernungsangaben hingegen müssen wiederum Leerzeichen gesetzt werden (Hamburg – Berlin) .
Der M-breite Gedankenstrich (—) ist viermal so breit wie der Bindestrich und hat die Länge eines Gevierts. Er kommt zum Einsatz, wenn hinter dem Dezimaltrennzeichen von Währungsangaben nur Nullen stehen, welche sodann – gemäss der Definition, dass ein Geviert die Breite von zwei Nullen hat – ersetzt werden können (€ 3,—).


